Buksi
Liebes ACA-Team, liebe Frau Hengstschläger, liebe Carol,
nachdem unser HOBO, der uns nur viel zu kurz geschenkt worden war und auf so tragische Weise aus dem Leben hatte scheiden müssen, nicht nur meinem Mann und mir sondern auch unserer alten Hündin FINI von Herzen gefehlt hatte, haben wir nach nicht einmal einem Monat beschlossen, einen neuen Hund zu adoptieren. Ich hatte mich bereits für einen süßen Puli entschieden, wurde dann aber von Carol auf BUDDY (vormals BUKSI, sprich: Bukschi) aufmerksam gemacht. Carol meinte, BUDDY würde gut zu uns passen, und da er ja bereits zwei Jahre zur Vermittlung gestanden hätte, jedoch keine einzige Anfrage für ihn eingegangen wäre, sei er besonders bedürftig, ein neues Heim zu bekommen. BUDDY sei sehr menschenbezogen und lieb, stubenrein und höchst verträglich mit Artgenossen und Kindern, öffne aber selbstständig Türen, leide unter Trennungsangst und sei dementsprechend nervös und hektisch sowie etwas stur. Der erste Teil der Beschreibung kam meinem Traumhund ja sehr nahe... der zweite Teil weniger. Zumal mich mein Mann bereits einige Tage vor Carols Anruf auf BUDDY aufmerksam gemacht hatte, ich ihn aber aufgrund der Tatsache des "selbstständigen Türöffnens" ausgeschlossen hatte.
Schließlich brachte mich Carol am Telefon dazu, mir BUDDY wenigstens (nebst meinem hündischen Favoriten) persönlich anzusehen. Nun, es kam, wie es kommen musste, wir haben BUDDY, der nun wieder BUKSI heißt, da er besonders stark auf diesen Namen geprägt war, von Ungarn mit nach Hause genommen, und nicht den anderen Kandidaten. Diese Tatsache mag wohl auch daran gelegen haben, dass BUKSI uns als erster Hund vorgesellt wurde (gleichsam gekämmt und herausgeputzt auf dem Präsentierteller) und sich von seiner besten Seite zeigte. Carols inniger Appell an uns mochte uns dann vollends überzeugt haben. Carols Worte klingen mir noch heute im Ohr: "BUDDY ist der richtige Hund für euch - ihr werdet sehen, BUDDY ist der richtige Hund für euch..."
Die ersten Zweifel an dieser Aussage kamen mir, als wir gerade mal zwei Minuten auf der Autobahn Richtung Heimat unterwegs waren und BUKSI unentwegt jammerte und fiepte. Er fiepte (und zwar laut) den ganzen langen Weg bis nach Hause, rannte dann nervös im Haus herum, markierte beim ersten Zusammentreffen mit FINI den Heizkörper, zerkratze unsere Küchentür, ging über Tisch und Bank, stahl einen ganzen Block Toastbrot von der Anrichte, besetzte den eben restaurierten antiken Lehnstuhl, wollte nicht drinnen sein, wollte nicht draußen sein, wollte im Auto nicht in die Hundebox, konnte keine zwei Sekunden alleine bleiben, hechelte nervös und war unruhig, sobald man nur den Ansatz zeigte, sich von Zimmer A nach Zimmer B zu begeben, obwohl man gar nicht die Absicht hatte, ihn alleine zu lassen. Er verfolgte uns auf Schritt und Tritt, lag auf dem Sofa niemals neben uns sondern schon mehr oder minder auf uns drauf, wollte aber auf der anderen Seite immer und überall ausbrechen - aus der Hundebox, aus dem Garten, aus der Hundezone. Er drängte sich immer in den Mittelpunkt, blockte unsere alte Hündin ab, wenn diese auch mal gestreichelt werden wollte, er knurrte sie und uns an, sobald ihm etwas nicht in den Kram passte. Das Knurren klang zwar nicht aggressiv, sondern eher beleidigt - ungefähr nach dem Motto "Was bildet ihr euch ein, das von mir zu verlangen bzw. mich nicht machen zu lassen, was ich möchte!" Und was mochte BUKSI? Fressen, immer in engem Kontakt zu uns sein, von Zeit zu Zeit ausbrechen und alles erkunden und... spazierengehen, spazierengehen, spazierengehen.
BUKSI war sehr beharrlich (stur) im Durchsetzen seiner Wünsche oder vielmehr in dem, was er dachte, dass seine Wünsche wären, denn in Wahrheit wollte er nur ankommen, ein Mitglied einer Familie werden, eine Hundeheimat finden, seinen Platz im Gefüge finden, um endlich entspannt, glücklich und stressfrei leben zu können. Nun, BUKSI war beharrlich, aber ich war noch beharrlicher. Ruhig und beharrlich verfolgte ich mein Ziel, den liebenswerten, aber komplett überdrehten BUKSI zu einem liebenswerten, fröhlichen, aber "relaxten" Hund zu machen. Zunächst habe ich einmal an mir gearbeitet, um mir selbst diese Ruhe und Gelassenheit beizubringen, dann habe ich mit BUKSI gearbeitet: Futter gab es nur, wenn er komplett ruhig (ohne Fiepen und Gejammer) darauf wartete. Gestreichelt und Geschmust wurde nur, wenn ich das wollte und BUKSI total entspannt war. Halsband und Leine wurden nur angelegt, wenn er dabei gelassen war. Die Tür zum Garten und das Gartentor wurden erst geöffnet, wenn BUKSI ruhig im Abstand von einem Meter davorsaß. Durchgehen durfte er nur, wenn ich ihn dazu aufforderte. Einige Räume und das Sofa wurden zur Tabuzone erklärt. Vom Tisch gab es keinen Bissen. Das Futter musste sich größtenteils im Training erarbeitet werden. Rituale wurden eingeführt, um BUKSI Sicherheit und Stabilität zu vermitteln. Und vor allem wurde viel, viel, viel mit BUKSI ausgegangen.
Es hat ein Jahr gedauert, bis BUKSI komplett angekommen war - und es war nicht immer leicht für mich, unbeirrt meinen Weg zu gehen, wo BUKSI doch im Großen und Ganzen ein so süßer, verschmuster Kerl war (und noch immer ist), aber ich wollte ihm helfen, ausgeglichen zu sein, keine Verlustängste mehr zu haben. Dazu musste ich lernen, ein Vorbild zu sein - ein Vorbild an Gleichmut, Willensstärke und Konsequenz. Das sind eigentlich lauter Eigenschaften, von denen ich dachte, ich würde sie nur in sehr eingeschränktem Maße besitzen. Ich habe zu Beginn nur nonverbal mit ihm kommuniziert, um ihn nicht noch mehr zu verwirren. Ich habe nicht nur ihn sondern auch mich beschränkt. Und ich habe in dieser Zeit des gemeinsamen Lernens nicht nur sehr viel über ihn, sondern auch über mich selbst gelernt, dass ich bloß bestätigen kann, was Carol bereits ganz zu Beginn gesagt hat: "BUDDY bzw. BUKSI ist der richtige Hund für euch!"
BUKSI ist immer noch ein fröhlicher und herzallerliebster Hund, aber er ruht jetzt viel mehr in sich selbst. Schade, dass Ihr ihn jetzt nicht sehen könnt, wenn er komplett entspannt auf dem Sofa döst, wenn er sich im Gras wälzt, mit FINI spazieren geht, seine "Hundekumpels" trifft, wenn er nicht mehr ausbrechen will, sondern zu mir zurückkommt, um mit mir nach Hause zu gehen... und wenn er dann vor unserem Gartentor von alleine stehen bleibt und entspannt wartet, bis ich es öffne und er in sein Zuhause heimkehren kann. Er kratzt nicht mehr an den Türen, er kann für Stunden alleine bleiben (wenn es mal nötig ist), er läuft uns nicht mehr auf Schritt und Tritt hinterher, er tigert nachts nicht mehr nervös im Vorraum herum, er jammert und fiept nicht mehr von früh bis spät. Er ist ein so toller Hund, der meinem Mann und mir nun zu 100 Prozent vertraut. Egal, was wir auch mit ihm machen, er hat uns nie wieder angeknurrt. Wir konnten langsam diverse Tabuzonen (Sofa etc.) aufheben und unseren BUKSI noch etwas mehr verwöhnen. Wir lieben diesen Hund so sehr. Er bringt so viel Freude in unser Leben. Er ist der richtige Hund für uns!
Mit lieben Grüßen
Maria-Christina Frühwirt
Anbei übermittle ich noch ein paar Fotos vom vergangenen (heißen) Wochenende... Buksi ist übrigens eine Wasserratte...





