Solo

Hallo, liebe ehemalige Weggefährten,

ich bin Solo der Pulirüde und will mich wieder einmal bei Euch melden!

Genau heute vor einem Jahr habt Ihr mich meiner neuen Familie übergeben, die ich selber auswählen durfte. Ich kann Euch sagen, ich hatte einen guten Riecher.

Zwei Umständen habt Ihr es zu verdanken, dass ich jetzt fast wieder so aussehe wie damals, als wir uns verabschiedet hatten: Ich war fellmäßig schon fast ein Urpuli wie meine Vorfahren vor tausenden Jahren im Nahen Osten, hatte geduldig die aufwendigen Frisörbesuche über mich ergehen lassen und mein lockiges Haarkleid war dem entsprechend imposant, mein Anblick begeisterte die Betrachter. Dann musste ein sehr ausgeprägtes Lipom im hinteren Flankenbereich entfernt werden, mein Haarkleid sah plötzlich aus wie nach einem heftigen Mottenbefall. Als dann auch noch die großen Hitzewellen kamen und ich das Haus nicht mehr verlassen wollte, haben sich Herrl und Frauerl meiner erbarmt und das mühevoll erworbene Haarkleid auf den fantasielosen neoliberalen Managerstil verstümmeln lassen. War zwar nicht stilgerecht, jedoch eine Wohltat und ich fühlte mich puliwohl.

Ich möchte Euch sagen, es ist hier herrlich und Dank meiner pädagogischen Fähigkeiten, mit viel Geduld und motivierendem Lob ist es mir gelungen, Herrl und Frauerl vollständig zu integrieren. Zum Glück ist meine Familie gelehrig und aufgeschlossen. Täglich führe ich mein Herrl mehrmals in der weitläufigen Feld- und Waldlandschaft spazieren, die nähere und weitere Umgebung hatte er mir monatelang detailliert gezeigt, damit ich im Fall der Fälle wieder alleine nach Hause finde. Somit kann ich mich super gut orientieren, ich suche mir selbständig meine Lieblingsrouten aus und wenn ich besonders gute Laune habe, darf auch er einmal wählen wo er gehen möchte.

Wunderbar sind bei uns die Möglichkeiten zum Jagen: Rehe, Hirsche, manchmal ein Wildschwein, jede Menge Hasen, Fasane, Rebhühner, Wachteln, Igel und Mäuse; leider fehlt meinen Familienmitgliedern die Liebe zum Waidhandwerk.

Unsere Laufenten würde ich ja auch gerne alleine hüten, erlaubt wird es mir jedoch nur in Begleitung. Na ja, was soll´s.

Im Haus selbst habe ich schon fast jeden der zahlreichen Räume erobert, Ausnahmen sind der Vorratsraum - das versteh ich irgendwie und das Badezimmer – ich bin kein Badefreund; Herrl und Frauerl dürfen natürlich alle Zimmer mit benutzen, das erlaubt meine pulihafte Toleranz.

Die Küche ist mein Lieblingsraum, diese Leidenschaft teile ich mit meinem Herrl. Er ist ein toller Koch und ich bin ein leidenschaftlicher Fresser. Wegen meiner Wissensgier und Beobachtungsgabe bin ich zum Küchenchef avanciert. Ich bin der Vorkoster, so dass gewährleistet ist, dass alle Köstlichkeiten die zu Tisch getragen werden auch entsprechend geschmackvoll zubereitet sind. Auch die Küchenhygiene habe ich zu überwachen, da ist mein Herrl sehr penibel: Kaum fällt beim Kochen etwas Leckeres auf den Boden, muss ich es sofort fressend entfernen.

Jedoch nicht nur in der Küche zeige ich immer, dass ich nicht weiterbildungsresistent bin, ich beherrsche mittlerweile drei weitere Sprachen: Deutsch, Kärntnerisch und Wienerisch; Herrl und Frauerl verstehen allerdings noch nicht mein Ungarisch.

Ich hätte Euch noch so viel zu erzählen, jedoch ist mein Zettel schon voll geschrieben.

Zum Abschluss möchte ich mich bei Allen, die mich so liebevoll betreut und denen, die mich so klug vermittelt haben bedanken und ihnen alles Gute bis zum nächsten Mal wünschen.

Viele liebe Grüße und gute Zeiten bellt Euch

Solo DER Puli am 06.09.2015