Howdy

liebe Frau Hengstschläger,

Ich habe Ihnen versprochen an Ihrer Webseite unter Happy Stories zu  schreiben, diesem Wunsch gehe ich auch gerne nach, sobald sich Howdy bei uns zu 100% akklimatisiert hat. Bis dorthin berichte ich Ihnen gerne per Email über Howdy.

Es sind nun 5 Tage vergangen und er entwickelt sich von Tag zu Tag mehr. Wir sind unheimlich glücklich mit ihm, nie hätten wir gedacht, dass es so einen unkomplizierten, braven Hund überhaupt geben kann. Wir erwarten von ihm diese Art von Disziplin nicht, ich hoffe, dass er noch ein bisschen "schlimmer" wird.

Beim Essen sind wir vollständig auf Barfen umgestiegen. Er ist nicht wählerisch, egal, was ihm unter die Nase gehalten wird, er isst es. Natürlich schaue ich, dass er stets eine ausgewogene Mahlzeit bekommt. Sogar Obst isst er gerne püriert, es ist wirklich eine Freude ihm sein Essen zuzubereiten.

Am Anfang hielt sich Howdy meist im Haus auf. Wir waren jeden Tag mindestens zweimal spazieren, teilweise mehrere Stunden lang. Das liebt er wirklich, unterwegs zu sein gehört ganz sicher zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Interessanterweise geht er von alleine nicht aus dem Zimmer, wo er sonst schläft. Er geht langsam und vorsichtig zur Tür, späht in den anderen Raum, dann geht er wieder zurück und läuft hin und her, als wüsste er nicht, was er tun solle. Wir rufen ihn, er getraut sich aber immer noch nicht  zu uns aus dem Zimmer. Er ist unheimlich vorsichtig. Um ihn aus dem Haus zu  schaffen, muss ich ihn raustragen oder eben an die Leine geben. Ich weiß nicht, wovor er Angst hat, wahrscheinlich sind wir zu viel für ihn, allein mit mir funktioniert es natürlich besser. Ich hoffe es wird noch.

Er hat immer noch große Angst vor Menschen und großen Respekt vor allem vor  Kindern. Ich grübele viel darüber nach, woher das kommt. Ist das die Umstellung?  Trauert er der Pflegefamilie nach und hat jetzt Angst bei uns, dass er wieder abgegeben wird? Wurde er misshandelt? Ich wüsste es so gerne, wobei ich dann auch nicht unbedingt die Antwort darauf hätte, wie ich ihm die Anpassung bei uns erleichtern könnte.

Nach den ersten zwei Tagen hier in Kärnten musste ich jeglichen Besuch absagen und Routen wählen für unsere Spaziergänge, wo möglichst kaum Menschen sind, da er schon so sehr verängstigt war. Sie können sich vorstellen, dass alle ihn sehen und "spüren" möchten, darauf müssen nun unsere Freunde warten. Im Dorf gibt es Häuser, wo er lieber auf die andere Straßenseite geht, dabei hat er nie jemanden dort getroffen. Als hätte er einen siebten Sinn und schleicht sich wirklich flach davon. Wenn es Menschen draußen stehen oder uns jemand entgegen kommt, wird er unsicher und würde am liebsten auf dem Absatz kehrtmachen. Da ich die meiste Zeit mit ihm verbringe, sind wir zwei schon ein sehr gutes Team, er zeigt Vertrauen und schmiegt sich sofort an mich, wenn andere Leute uns nähern. Wenn wir mit den Kindern spazieren gehen, behaltet er mich auch genau im Auge und wählt immer die Geschwindigkeit, die ich habe. Egal, wer ihn führt, derzeit passt er sich ausschließlich an mich an, ich muss auch immer dabei sein, wenn  wir spazieren gehen, sonst will er nicht gehen...

Langsam lernt er, dass niemand ihm was antun möchte, ich muss natürlich alle bitten, ihn möglichst nicht anzufassen oder am besten gar nicht zu beachten, dann geht er selber aus Neugier den Fremden kurz zu und schnüffelt an ihm. Ich würde wirklich gerne deuten können, was sein Verhalten verbirgt. Ich lasse ihm und uns natürlich Zeit. Tagsüber gebe ich ihn jetzt in den Garten, lasse natürlich die Terrassentür offen, sodass er sich vergewissern kann, dass jemand von uns da ist. Er kommt sehr gut zurecht, hat seinen Lieblingsplatz beim Komposthaufen gefunden, (zum Komposthaufen kommt er nicht dazu). Er gräbt und liegt dort viel und fühlt sich offensichtlich geschützt und pudelwohl. Zwischendurch läuft er eine Runde, jeden Tag mehr getraut er sich aus diesem Versteck. Er wedelt auch immer öfter mit dem Schwanz, was für mich stets ein  gutes Zeichen ist und mir das Gefühl gibt, er fühlt sich doch nicht so schlecht bei uns.

Spielzeuge interessieren ihn überhaupt nicht. Die Kinder sind ein bisschen traurig, dass sie ihn nicht zum Spielen motivieren können, aber das wird noch ein langer Weg sein, denn gerade vor Kinder hat er so eine große Angst. Unsere lassen ihm auch Zeit und quälen ihn nicht mit ihrer Liebe, sie nähern sich ihm immer sanft, er schnüffelt an ihnen, lässt sich aber noch nicht so gerne von ihnen "drücken". Vielleicht ist es gerade das, dass Kinder ihm kein sicheres Gefühl geben können. Entweder sind sie stürmisch und wollen ihn gleich in die Hand nehmen (fremde Kinder), oder eben sehr vorsichtig, wie unsere. Beide  könnten ihn verunsichern, aber mit der Zeit wird sich diese Unsicherheit wohl bei ihm legen.

Sollte Howdy vorher bei einer Pflegefamilie gewesen sein, sagt mir mein Gefühl, dass er nicht im Haus gehalten wurde. Abends kann ich ihn kaum und kaum ins Haus locken. Gestern musste ich ihn praktisch "fangen" und hereintragen. Draußen wirkt er schon lebendiger und sicherer, im Haus tut er unsicher, sehr brav und diszipliniert. Wie ein kleiner Soldat. Ich will ihn nicht zu seinem Glück zwingen, von mir aus könnte er liebend gerne auch draußen schlafen, aber jetzt getraue ich mich ihn noch nicht draußen zu lassen, zumindest ihm die Wahl zu überlassen, wo er schläft, bin mir nämlich nicht sicher, dass er das tut, was er will und nicht aus purer Angst handelt. Wir haben das Grundstück zwar provisorisch lückenlos umzäunt, er kennt auch seine Grenzen und will nicht von uns weg, trotzdem habe ich Angst, dass er einen Schreck kriegt in der Nacht, es sind ja genug Tiere unterwegs bei uns in diesen Stunden. 

Nächste Woche sind wir mit ihm nun wieder ein paar Tage in Sopron, danach noch eine Woche in Kärnten und für die Sommerferien fahren wir dann zurück nach Sopron, wo er einen noch größeren, vollständig umzäunten Garten hat, mit automatischer Gießanlage, was er offensichtlich mindestens so gern hat, wie Spaziergänge :D.

Zusammenfassend, er ist ein unheimlich lieber "Kerl", wir sind alle vernarrt in ihn und bekommt mindestens so viel Liebe, wie unsere Kinder, momentan sogar mehr, da er wirklich im Mittelpunkt steht und täglich eine ordentliche Portion Pflege und Massage erhält :). Er zeigt seine Dankbarkeit mit ständigem Lecken, ich möchte aber so sehr, dass er uns bald absolut vertrauen kann und erkennt, dass er für uns sehr-sehr viel bedeutet...

Vielleicht kann ich Ihnen in ein paar Wochen bereits noch bessere Nachrichten überbringen. Ihnen wünsche ich schöne Sommertage und noch viele solche Familien, die gerne Ihren "Schützlingen" ein liebevolles Zuhause bieten möchten!

liebe Grüße, Kata Seher