Eschli (vormals Sherry)

Hallo, Frau Hengstschläger,

Sherry heißt jetzt Eschli und hat beschlossen, dass das ganze Haus ihr gehört. Sie ist ein wunderbares Hunderl, besucht ein Hundeseminar mit akademisch ausgebildetem Trainer, und geht schon brav an der lockeren Leine durch Wald und Flur. Ziel der Seminarreihe ist es, dass sie in übersichtlichem Gelände ohne Leine laufen darf.

In der Zwischenzeit hat sie schon gelernt, dass das Futter nie ausgeht und dass sie das stehen lassen kann, ohne dass es in anderen Hunden verschwindet. Sie weiß jetzt auch, dass ein kleines Bacherl keine Bedrohung sondern dass es ein Genuss ist, wenn das Wasser beim Durchqueren spritzt. Es kommt jetzt immer öfter vor, dass sie ihre Ängstlichkeit vergisst. Sie lernt auch, dass das Abtrocknen der Pfoten keine Strafe, sondern dass das eben eine der komischen Gewohnheiten ist, auf der Menschen  bestehen.

Gestern haben wir einen Hundefilm im Fernsehen gesehen. Dann steht sie aufrecht auf den zwei Hinterbeinen und verfolgt die Geschichte. Verschwindet der

Hund von der Bildfläche, läuft sie hinter den Fernsehapparat oder auf die große Veranda, um ihn zu suchen.

Eschli fährt gerne mit dem Lift (das bedeutet nämlich entweder spazieren oder Futter). Was sie nicht macht: sie bellt nicht, wenn sie raus muss. Dass erkenne ich nur daran, dass sie Lifttür und Wohnzimmertür beobachtet. Sie bekommt jeden Sonntag Besuch vom Rüden meiner Schwester, mit dem sie sich hervorragend versteht. Der beherrscht die Bellerei perfekt. Aber das hat sie sich von ihm noch nicht abgeschaut. Obwohl unsere Eschli ein eher devotes Hunderl ist .... gegenüber dem Rüden meiner Schwester gibt sie den Ton an. Ist klar, bei uns hat sie das Hausrecht.

Eschli hat jetzt ein neues Spezialgeschirr mit Leuchtstreifen bekommen. Das erleichtert das nächtliche Spazierengehen (mit Taschenlampe, bei uns gibt es keine Strassenbeleuchtung).

Den Platz auf der Couch hat sie sich erobert. Sie akzeptierte aber problemlos, dass es nur ein UNTER dem Bett und KEIN AUF dem Bett gibt. Dass es im Auto eine Hundebox gibt - mit dem kann sie leben. Lieber fährt sie mit dem kleinen Auto, da gehört ihr die Rückbank mit Sicherheitsgurt. Wenn wir wegfahren bleibt sie ohne Schwierigkeit zu Hause. Allerdings bleibt sie meist im Foyer. Damit es für sie auf dem Steinboden nicht zu kalt wird, haben wir dort einen großen, dicht geknüpften Teppich aufgelegt und eine extra Couch aufgestellt. Auf der liegt sie meist, da hat sie die Eingangstür gut im  Blick.

Was sie nicht mag: wenn auf den Wiesen zu viel Wasser steht (so wie öfters in den letzten Tagen). Dann geht sie gottergeben mit, weil Frauli die komische Eigenart hat, auch bei grausigem Wetter draussen herumzustapfen. Gott sei Dank gibt es im Garten einen Minihügel von dem das Wasser abläuft, der eignet sich auch dann noch für....na ja, eh schon wissen.

Jetzt liegt sie bei mir im Büro in einem ihrer Körbchen. Das mag sie besonders gern, denn es steht vor dem beinahe bodentiefen Fenster und hat einen tollen Ausblick auf den Garten. In dem kämpfen sich die ersten Pflanzen der für die Eschli angelegten Bio-Blumenwiese aus dem Boden. Ob diese allerdings eine Wiese wird, ist fraglich, denn der Platz wird regelmäßig umgegraben, um einen passenden Platz für den Kauknochen zu finden. Aber die robusteren Blumen wie Löwenzahn und Wegerich werden die Hundegrabungsarbeiten schon überstehen. Zur Zeit sieht er eher noch wie ein Truppenübungsplatz als wie ein Garten mit Blumenwiese aus.

Mit einem freundlichen wau wau bis zum nächsten Bericht

Elfi Wijzenbeek & Eschli (früher Sherry)

(Foto: blaue Stunde bei  uns)