Charly (vormals Charles)

Liebe Frau Hengstschläger,

also, ich wollt`mich mal melden und Ihnen über meine Erlebnisse mit meiner neuen Familie berichten.

Generell kann ich sagen, dass sie sehr nett und bemüht sind, sie machen zwar noch manches Mal Fehler, aber im Großen und Ganzen lernen sie sehr schnell.

Vorgestern zum Beispiel war diese Frau mit mir unterwegs und nur weil ich ein bisschen flotter wurde, fängt die plötzlich zu laufen an. Eigentlich hat mir das am Anfang großen Spass gemacht, aber dann wollte ich dieser lahmen Ente mal zeigen, was Laufen ist. Plötzlich war sie hinter mir und als ich mich umdrehe, rennt die in vollem Tempo auf mich zu. Na hör mal, das kenn`ich doch von früher, dass jemand hinter mir herläuft. Und das erschreckt mich echt total. Also denk`ich mir: „Nichts wie weg!“ Aber die ist ja ganz fies und hat mich an der Leine, da bringt das ganze Herumhüpfen nicht viel.

Und mein Hüpfen hat sie ganz schön erschreckt, sie hat sich ganz klein gemacht und auf mich eingeredet, vor lauter Angst hat sich mich auch ganz viel gestreichelt (und zum Glück hatte sie auch ein paar Leckerli dabei). Auf jeden Fall hat sie mir versprochen, dass wir erst gemeinsam laufen, wenn wir uns besser kennen, und das finde ich ja schwer in Ordnung, da hat sie in der Zwischenzeit die Möglichkeit, ein bisschen zu trainieren :-)

Im Haus gibt’s ein paar Regeln, die versteh`ich zwar nicht ganz, aber das habe ich auch deutlich gezeigt. Zum Beispiel darf ich nicht zum Tisch, wenn es dort was ganz Leckeres gibt. Wieso dürfen die alle dort sitzen und essen und nur ich nicht? Da lege ich mich ein Stückchen weg auf den Teppich und schau`ganz traurig, aber stellen Sie sich vor, nicht mal das kann ihr Herz erweichen.

Dann gibt’s noch etwas, wo sie ganz streng sind – das mit dem Schlafen. Also ich soll auf einer Decke schlafen (die ist zwar ganz weich, aber eben nur eine Decke). Wenn ich mich auf den Teppich im Kinderzimmer lege, ist es für sie auch ok. Nur der Junge liegt zwischen seinen Decken und Polstern in einem Super-Bett. Da versuch`ich halt ab und zu, mich dazu zu legen (ich bin ja nicht asozial und gerne in Gemeinschaft) und das erlauben sie einfach nicht, ich weiß auch nicht, warum. Es geht sogar so weit, dass sie regelmäßig nachsehen kommen, wenn ich mich mal für einige Zeit im Kinderzimmer verschwinde. Na ja, vielleicht kriegen sie das noch mit, dass mir das Bett viel lieber ist, ich versuche halt weiter, ihnen das beizubringen.

Was da noch ins Haus kommt, sind drei riesige Monster, die nennen sie Miez-Miez. Jedenfalls haben sie versucht mir zu zeigen, dass die ganz lieb sind. Na ja, über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Also ich find, die sehen richtig gefährlich aus und sie laufen auch nicht davon, wie sich das gehört, sondern sie liegen nur da und beobachten mich. Keine Ahnung, was die im Schilde führen. Ich werde sie auch beobachten und ihnen möglichst ausweichen.

Am Abend kuscheln wir ganz viel am Teppich und da sitzt eine von den Miez-Miez nur einen Meter von uns entfernt. Da musste ich mich dann echt entscheiden: soll ich der Miez-Miez ausweichen oder soll ich so tun, als ob ich nicht wüsste, dass sie mir ein bisschen zu nahe kommt?

Nachdem der Frau aber das Streicheln so gefallen hat (sie wurde ganz ruhig und kuschelig) habe ich mich entschlossen, kein Spielverderber zu sein und das blöde Miez-Miez einfach nicht mehr zu beachten. Wahrscheinlich macht es eh`nur auf wichtig und ist in Wirklichkeit gar nicht so gefährlich!

Ja, ansonsten gibt es momentan nicht viel Neues zu erzählen.

Also, alles in allem habe ich mich entschlossen, hier zu bleiben. Das wollte ich Ihnen noch sagen.

Und – dass ich nicht vergesse: Danke für die Vermittlung! Und Frohe Weihnachten!

Liebe Grüße

Charles (Sie dürfen mich „Charly“ nennen)