Bo (vormals Dennis)

Hallo Frau Hengstschläger,

Danke für das Foto!

Ja uns geht es gut; mit gelegentlichen "Ausrutschern". Aber dazu später mehr.

Also die ersten Tage waren geprägt von Essen und Schlafen und dazwischen Schmusen. Autofahren findet er momentan noch nicht allzu prickelnd. Zumindest das den Hof mit dem Auto verlassen. Seit dem vierten Tag brauchen wir keine Leine mehr auf dem Hof und auch außerhalb braucht es nur ne Leine, wenn wir weiter weg gehen (also in den Wald); und da ist eher der Jäger der Grund. Jagdtrieb hat er bislang absolut gar keinen. Ganz im Gegenteil. Zur Zeit sind ja die Füchse "ranzig" und deshalb zu sämtlichen Tages- und Nachtzeiten völlig Hirnlos unterwegs (hormongesteuert halt). Da toben die auch öfter mal hier ums Haus und über den Hof. So kam es, dass vor einigen Tagen, vormittags gegen halb zehn, Bo die Bekanntschaft mit Füchsen machte. Unsere Füchse hier sind kerngesund, wohlgenährt und sehen extrem gepflegt aus; wenn man nicht wüsste, dass das Füchse sind, könnte man sie für Rassehunde halten.  Wir waren also gerade beim Heu aus dem Heustadel holen für die Pferde, als in zwei Meter Entfernung zwei Füchse an uns vorbeitrabten. Völlig ins Spiel vertieft. Bo sah sie, ich sah sie, sie sahen uns aber nicht. Ich dachte "ui, na mal schauen was passiert" und Bo dachte wohl "uii, wer seid ihr denn?" und trabte ihnen hinterher. Der wollte echt mitspielen. Das fanden die beiden Füchse aber unpassend und trollten sich über den Acker davon. Bo schaute ihnen interessiert nach und kam wieder zurück.

Auch Begegnungen mit anderen Hunden an der Leine gab es bereits und da war auch einer von der Sorte "komm, zuck mal mit dem Ohr, damit ich dich vermöbeln kann". Aber Bo meisterte das Beispielhaft. Blieb stehen, zuckte nicht mit dem Ohr und wartete geduldig, bis die Besitzerin ihren rüden Rüden von dannen zog. Besuche bei der Familie oder von Freunden enden immer mit "therapeutischem Gruppenkuscheln" (z.B. meine Schwester und ihre drei erwachsenen Töchter zusammen auf dem Fußboden und mittendrin Bo auf dem Rücken) und wenn es nach ihm ginge, würde er Tag und Nacht gekrault und betatscht werden bis das Fell weg ist. Apropos Fell: das wird langsam weicher. Vermutlich durch das viele Kraulen und Bürsten. Die Esserei funktioniert mittlerweile auch weniger hastig. Ich muss nur noch die richtige Menge finden. Er würde ja vermutlich auch das dreifache in sich rein mampfen und je mehr verschiedene Geschmacksrichtungen er kennenlernt, umso (neu)gieriger wird er, was es wohl sonst noch so essbares auf dieser Welt gibt. Womit wir bei den "Ausrutschern" wären. Auf dem Tisch liegen lassen darf man grundsätzlich nix essbares und man sollte auch wenn man dabei ist, ein Auge auf ihn haben. Anfangs hat er mal die Tonne mit dem "grünen Punkt" leergeräumt und den Inhalt (leere Futterdosen von Hund und Katzen, Verpackungen von Nudeln und co) im Haus verteilt. Dann war lange nix mehr. Heute Nacht, hat er mal richtig die Sau rausgelassen. In der Küche auf dem Herd standen zwei Töpfe (gut 200 Gramm Bandnudeln und Bratensoße) und die Pfanne (eine schöne Portion Hackbraten), die ich mir heute nochmal aufwärmen wollte. Alles ordentlich mit Deckeln verschlossen. Ich kam also morgens in die Küche und...die Deckel schön neben den Töpfen und Pfannen abgelegt und alles feinsäuberlichst entsorgt. Braten weg, Nudeln weg, Soße weg. Ich konnte alles direkt in die Spülmaschine räumen. Noch ist es mir ja ein Rätsel wie er das hingekriegt hat, denn dass er auf die Arbeitsplatte springt kann ich mir nicht vorstellen und ich hörte auch nix scheppern. Also stand er wohl am Herd und hat schön die Deckel überall runter gehoben um dann mit vollendeten Tischmanieren den Inhalt zu genießen? Ich schwanke noch immer zwischen Ärger und Bewunderung. Auf jeden Fall werde ich mir zukünftig keine Gedanken mehr darüber machen, wie ich seine Verdauung langsam an das Futter gewöhne. Wenn er Hackbraten mit Zwiebeln und Knoblauch und Gewürzen und Bratensoße verträgt, dann verträgt er auch das Futter das er essen sollte.

Dass er gut auf den Hinterbeinen steht ist ja nix neues (das ist generell seine Lieblingskörperhaltung), aber sich das bildlich vorzustellen was da abging, lässt mich wieder mal daran zweifeln, ob das tatsächlich ein Hund ist oder doch eine in Fell eingenähte Reinkarnation eines zweibeinigen Ladykillers.

Wenn man nämlich bei seinen Schmuse-Attacken nicht aufpasst, hat man ganz schnell seine Zunge im Mund. Auch sehr eigenwillig. Außerdem schnarcht er wie ein kanadischer Holzfäller und möchte zu gerne die Nacht in meinem Bett verbringen (aber da geht nix, das Bett ist meins). Dafür steht ja sein Bett die Nacht über direkt neben meinem, was dazu führt, dass er immer halb sitzend halb liegend über die Bettkante hängt bis er während dem Einschlafen wie ein Aal zurück in sein Bett flutscht.. Bis er wieder wach wird.

Die Sache mit den Katzen zieht sich nach wie vor wie Kaugummi. Die Katzen fangen jetzt wenigstens mal an, um ihr Zuhause zu kämpfen. Sie kommen wieder und wollen rein und hier übernachten und im warmen rumliegen wie früher. Bo findet das nicht so erstrebenswert, wobei ich mal davon ausgehe, dass das schlicht Eifersucht ist was ihn da quält.

Nach der Küchenaktion habe ich auf jeden Fall den Eindruck gewonnen, sein Selbstbewusstsein ist genug gestärkt. Jetzt wird es Zeit für die Hausordnung und sonstige Kleinigkeiten wie das Lernen von Kommandos. Bisher lief das so nebenher, denn Sitz und Platz und bei Fuß gehen machte er von Anfang an automatisch. Das verleitet natürlich dazu, die Erziehung schleifen zu lassen.

Und dann stellt sich noch die Frage, wie ich ihn beschäftige, denn er spielt nicht. Mit gar nix. Er hat offenbar nie gelernt zu spielen. Falls Sie da Tipps aus der Praxis haben, wäre ich für Anregungen dankbar.

Soviel also zu den ersten zwei Wochen mit Mr. Bojangles. Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn glatt erfinden. 

Viele liebe Grüße aus Bayern

Renate Wagner

 

Ps.: Also Schnee und kalt ist nicht so seins. Ich glaube mal er wird eher ein Sommer- Wasserhund?

Ach ja, der kleine Beutel da, das ist sein "Kulturbeutel". Er hat seine Kacktüten immer am Mann.

 

Helfen Sie uns helfen

Unser Spendenkonto
Raiffeisenbank Wien
BIC: RLNWATWW
IBAN: AT29 3200 0000 1127 4065